Unterstützen, bewahren, entwickeln

Förderprojekte

Das Kuratorium Kulturelles Frankfurt unterstützt Projekte, die der Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des kulturellen Erbes in Frankfurt gewidmet sind.

Der Verein engagiert sich bei der Pflege und Erhaltung von Denkmälern und historischen Orten der Stadt und fördert bedeutende Buchpublikationen und Dokumentationen zur Geschichte und Gegenwart Frankfurts.

Zudem vergibt das Kuratorium Kulturelles Frankfurt alljährlich den mit 3.000 Euro dotierten Berg-Berndt-Preis für innovative Projekte auf dem Gebiet der Kulturvermittlung an Kinder und Jugendlichen. Seit 2017 wird er alle zwei Jahre vergeben.


Bauten zum Leben erwecken - Felix Fischl vom Filmkollektiv zu seinem Buch über Filme zur Architektur Frankfurts - dem aktuellen KKF-Förderprojekt

Ihr gemeinnütziger Verein heißt Filmkollektiv Frankfurt – ein Kollektiv betont Gemeinsamkeit, ich wüsste gern, welche? Sie bieten Projektionsraum für unterrepräsentierte Filmkultur. Erzählen Sie uns bitte etwas über die Arbeit Ihres Vereins, Sie sind ja von Anfang an dabei.

Der Verein ist sehr klein. Drei Personen, von denen ich eine bin, tragen die Arbeit. Wir haben dieselbe Motivation: zu zeigen, was sonst im Kino nicht zu sehen ist. Warum? Weil die Aufführung seltener Filme im analogen Originalformat besonders kostspielig ist, nicht dem allgemeinen Geschmack entspricht oder beides. Also haben wir einen Verein gegründet, um Mittel einwerben zu können, die die teuren Abspielkosten decken. Unser Kollektiv steht für diese Ziele ein, natürlich hat jede Person eigene Vorlieben, doch wir unterstützen uns gegenseitig und tauschen uns aus. Unsere Projekte und Veröffentlichungen sind sehr aufwändig. Grundsätzliche Programmentscheidungen fällen wir gemeinsam. Für die Filmreihe „Architektur und Stadtentwicklung in Frankfurt“ bin ich verantwortlich.

Und was ist das Besondere an dem Vorhaben, das vom KKF unterstützt wird?

Im Zuge meiner Recherche habe ich festgestellt, dass es so gut wie keine Literatur zum Thema Frankfurter Architektur im Film gibt. So war die Idee einer Publikation geboren. „Wandelbares Frankfurt. Dokumentarische und experimentelle Filme zur Architektur und Stadtentwicklung in Frankfurt am Main“ – mitfinanziert vom KKF – enthält bebilderte Aufsätze von 12 Autoren und eine umfangreiche Filmografie. Es wird deutlich werden, was es alles gibt, und vor allem auch, wo es zu finden ist. Von den etwa 300 im Buch aufgeführten Filmen werden wir im Herbst dann etwa 65 zeigen, größtenteils Kurzfilme. Wir sehen den Bedarf für eine neue Beschäftigung mit dem Material.

Stadtplanung und Architektur sind auch Schwerpunktthemen des KKF – so ist ja die Zusammenarbeit entstanden. Was glauben Sie gerade durch Filme herausarbeiten zu können?

Wir werden bewegte Stadtbilder sehen – Architekturfotografie kann das nicht leisten. Bauten zum Leben erwecken, greifbar machen wie etwa die Hafenanlagen in den 1920er-Jahren. In den Filmen steckt die Persönlichkeit der Filmemacher, denn natürlich haben auch Dokumentarfilme immer einen bestimmten Fokus. Einen Schwerpunkt unserer Reihe werden von der Stadt beauftragte Imagefilme bilden, an denen sich der Gegensatz zwischen Stadtmarketing und Wirklichkeit ablesen lässt.

Einige Filme zeigen die alte Altstadt Frankfurts. Wenige Menschen haben sie noch erlebt, bevor Bomben sie zerstörten. Was kann die Neubebauung jüngeren Frankfurtern heute sagen?

Man musste mit weniger Platz auskommen. Es ist fraglich, ob sich darüber hinaus auch Geschichte vermitteln lässt. Ich spüre aber großes Interesse bei Gleichaltrigen an der Baugeschichte unserer Stadt. Politische Aufladung ist nicht mein direktes Ziel bei diesem Projekt. Das ergibt sich von allein, je nachdem, was die Zuschauer herausziehen möchten. Politische oder Agitationsfilme sind aber Teil unseres Programms.

Das kleine neue Quartier erfährt gerade viel Aufmerksamkeit, die Wohnungsprobleme werden anderswo gelöst. Können Neubauviertel etwas von der Altstadt lernen?

Es ist ein Vorzeigeareal, die Detailverliebtheit lässt sich andernorts wohl nicht umsetzen. Es geht hier um den Stadtkern, eine Ausstrahlung auf den Rest Frankfurts findet vermutlich nicht statt. Eine Übertragung auf den Wohnungsmangel ist wegen der andersgearteten Finanzierungsweise nicht möglich, aber vielleicht mehr Aufmerksamkeit für das Design?

Sie betrachten ja ein ganzes Jahrhundert im Rückblick, in dem es nicht nur die Vernichtung alter Gebäude und den Wiederaufbau gegeben hat. Sie berücksichtigen auch das neue Frankfurt, Eingemeindungen, Hochhäuser. Haben Sie eine Lieblingsepoche, wie wohnen Sie selbst, was wünschen Sie kommenden Generationen für unsere Stadt?

Mein ursprüngliches Interesse rührt vom Wiederaufbau der fünfziger Jahre her. Allgemein fasziniert mich der Umgang mit den Zeitumständen, zum Beispiel der unerträglich pathetische Jargon in „Frankfurt am Main. Wiedergeburt einer Weltstadt“, einem Film von 1952. Ich wohne in einem Bockenheimer Altbau, ruhig und mit Blick in einen grünen Innenhof, Natur bedeutet mir viel in der Stadt. Die Gentrifizierung sehe ich mit Sorge. Bockenheim ist da sehr umtriebig. Das Stadtteilbüro etwa macht gute Arbeit und hält die Aufmerksamkeit hoch, beispielsweise für den Kulturcampus. Solches Engagement finde ich wünschenswert.

Die Fragen stellte Karl-Burkhard Haus.