Kulturvermittlung an Kinder und Jugendliche

Berg-Berndt-Preis

Seit 1984 vergibt das Kuratorium Kulturelles Frankfurt den „Günther Berg-Preis“, der Mitte der 90er Jahre in „Berg-Berndt-Preis“ umbenannt wurde. Namensgeber für die Auszeichnung waren die langjährigen KKF-Vorstandsmitglieder Dr. Günther Berg und Dieter Berndt, die mit ihren finanziellen Zuwendungen den Preis begründeten und den Stiftungszweck festlegten. 

Der Preis wird für besondere Leistungen auf dem Gebiet kultureller Vermittlungsarbeit an Kinder und Jugendliche verliehen und ist mit 3.000 Euro dotiert.


Berg-Berndt-Preis für die Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus

"Mit Kunst wachsen" - Interview mit Petra Väth

Das Kuratorium vergibt die Auszeichnung an Institutionen, die Herausragendes in der Kunst- und Kulturvermittlung an Kinder und Jugendliche leisten. Frau Väth, Sie sind die Geschäftsführerin, gleichzeitig lieben Sie es, als Kunstpädagogin die Entwicklung  junger Menschen mit Hilfe künstlerischer Betätigung voranzubringen. Was macht den Verein so interessant?

Begonnen hat es mit einem „Haus der offenen Tür“, einem klassischen Jugendzentrum. 1990 kam der Umbruch - weg von der offenen Arbeit hin zum gezielten künstlerischen Schaffen mit jungen Menschen in einer modernen Kultur-Werkstatt. So eine Idee war damals neu und der Verein hatte eine Vorreiterfunktion in Frankfurt. Als Inspiration diente die Berliner Einrichtung „Schlesische 27“, die Kinder und Jugendliche, die zu Hause wenig Unterstützung fanden, mit Kunstprojekten förderte. Heute stehen unsere Kurse allen jungen Kunstinteressierten offen. In unserem Programm ist viel Bewegung, da mit großer Offenheit immer wieder neue, teils ungewöhnliche Projekte angegangen werden.

Da wären wir bei den Schwerpunkten des Vereins.

Ja, einmal sind es künstlerische Projekte im Gemeinwesen und im öffentlichen Raum sowie Ausstellungen, die wir umsetzen. Dann bieten wir Schulprojektwochen und Freizeitkurse an. - Und es gibt die „Bildhauerwerkstatt Gallus“ für straffällig gewordene Jugendliche. Diese haben im Rahmen ihrer abzuleistenden Stunden gemeinnütziger Sozialarbeit die Möglichkeit, künstlerisch zu arbeiten.

Kunstproduktion als „Strafe“?

Man unterschätzt den pädagogischen Wert. Die jungen Menschen produzieren in der Werkstatt meist unter sehr großen Anstrengungen und in für sie ungewohnter Disziplin Kunst. Sie entscheiden sich für ein Material und sind dann verpflichtet, das Projekt umzusetzen. Manche bringen überhaupt das erste Mal eine Sache zum Abschluss. Auch müssen sich alle an die Regeln im Hause halten: Respekt und Toleranz.

Was wäre dann der Aspekt der Gemeinnützigkeit?

Gemeinnützig bedeutet hier, dass die geschaffene Kunst in der Werkstatt verbleibt und verkauft wird. Das Geld fließt so wieder an die Einrichtung zurück. Begleitend lernen die Jugendlichen, eine Ausstellung vorzubereiten. Bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen sie mit und agieren während der Präsentation der Werke als Ansprechpartner – für viele eine echte Herausforderung. In Expertenkreisen gelten die Ausstellungen des Vereins zwischenzeitlich als Geheimtipp, da hier gute und mit Herzblut geschaffene Kunstwerke zu humanen Preisen erworben werden können. Unser Mitarbeiter Michael Siebel hatte 20 Jahre die künstlerische Leitung inne und kontrollierte die professionelle Anfertigung der Kunst. Den Part hat seit 2016 Kai Wolf übernommen.

Wie groß ist das Team, mit dem Sie arbeiten?

Wir haben nur 2,5 feste Stellen. Hinzu kommen eine FSJ-Kultur-Stelle und 20 freiberufliche Mitarbeiter für die Betreuung der Workshops während und außerhalb der Schulzeiten.

Wie umfangreich ist Ihr Kursangebot und wie sieht es inhaltlich aus?

Alle zwei Wochen kommt eine neue Schulklasse im Alter zwischen 10 und 21 Jahren für fünf Tage. In den Workshops werden dann bis zu 32 Schüler betreut, die sich auf verschiedene Kurse, zum Beispiel Theaterwerkstatt, Malerei oder Bildhauerei, verteilen. Dieses Angebot gilt für alle Schulformen - von der Lernhilfeschule bis zu der Berufsschule. An mehreren Nachmittagen in der Woche finden außerdem Freizeitkurse statt - aktuell Malerei, Tanzen, Trommeln, Theater für Kinder ab 10. Mein Tipp: Mitte November gibt es in der Bildhauerwerkstatt einen Tag der offenen Tür. Auf der Homepage kann in einem Onlinekatalog das Angebot mit Angaben zu Material, Maßen und Preis abgerufen werden.

Welche Räumlichkeiten stehen Ihnen für Ihre Arbeit zu Verfügung?

Wir bespielen zwei Häuser: Eines in der Herxheimerstraße 4 (200 Quadratmeter) und eine großzügige Werkstatt auf dem Milchsackgelände, einer ehemaligen Farbenfabrik in der Gutleutstraße 294 (insgesamt 400 qm).

Und wie finanzieren Sie Ihr beachtliches Angebot?

Die Gelder zur Umsetzung der Arbeit kommen aus verschiedenen Quellen. Einen Teil erhalten wir von Sponsoren. Ein anderer Teil muss über die institutionelle Förderung des Jugend- und Sozialamts der Stadt jedes Jahr neu beantragt werden. Auch Projektförderungen erfragen wir immer wieder neu - zum Beispiel beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst für einzelne Ausstellungsprojekte. Ferner kommen dem Verein Bußgelder zugute und die Kinder zahlen kleine Beiträge von zehn Euro pro Woche während der Ferienprojekte. - Umso mehr freuen wir uns über die Anerkennung durch den Berg-Berndt-Preis und die finanzielle Zuwendung!

Gibt es einen Höhepunkt?

Das war zum Beispiel die Teilnahme an der Veranstaltungsreihe des Historischen Museums „Stadtlabor unterwegs“, 2015. Da war ganz Frankfurt aufgerufen, sich nach der Vorgabe „Bewohner im Stadtteil werden zu Experten“ einzubringen. Es gab Rap-Projekte, Veranstaltungen zum Geo-Caching, es wurden Bilder gemalt und Gedichte über das Gallus-Viertel geschrieben. Die Verbindung hauseigener Projekte mit der Stadtöffentlichkeit fand ich besonders reizvoll. Viele unserer Kinder waren mit großer Begeisterung dabei und sind über sich hinausgewachsen, was vortrefflich zu unserem Motto passt: „Mit Kunst wachsen!

(Interview Dr. Claudia Müller-Proskar)

Kunst für alle


Berg-Berndt-Preis 2017 - Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus e.V.

 „Mit Kunst wachsen“ ist seit 1990 das Motto des eingetragenen gemeinnützigen Vereins „Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus“. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und einundzwanzig Jahren auf sozial- und kulturpädagogische Art und Weise zu fördern. Dies geschieht sowohl in Schulprojektwochen als auch in Freizeitkursen zu den Themen Theater, Malerei und Bildhauerei. In Ausstellungen, die von Kindern und Jugendlichen mit vorbereitet werden und zudem als Geheimtipp in Expertenkreisen gelten, werden die darin entstandenen künstlerischen Produktionen der Öffentlichkeit präsentiert. Für den über fünfundzwanzigjährigen außergewöhnlichen Einsatz und die nachhaltige Förderung der Entwicklung junger Menschen hat das KKF den Berg-Berndt-Preis dieses Jahr am Ende des Herbst-Ferienworkshops der Jugend-Kultur-Werkstatt Gallus e.V. verliehen.


Berg-Berndt-Preis 2016 - Kinder- und Jugendzirkus Zarakali

Der Kinder- und Jugendzirkus Zarakali widmet sich seit 2000 der Förderung junger Menschen zwischen sechs und 18 Jahren. Alle dürfen mitmachen, unabhängig von ihren körperlichen und geistigen Voraussetzungen. Kinder und Jugendliche, eben auch mit Behinderung, können Dinge ausprobieren, von denen sie bisher nur träumten. Ob als Akrobat am Trapez, auf dem Einrad oder Drahtseil, beim rhythmischen Capoeira oder als Clown, gelernt wird das Umgehen mit dem eigenen Körper, den persönlichen Fähigkeiten und Grenzen. In der Gruppe zählt soziales Miteinander, Vertrauen entwickelt sich und der Mut nach monatelangem Training gemeinsam vor großem Publikum aufzutreten. Betreut werden die Kinder von Bewegungspädagogen, ein Angebot, das auch Schulen und Kindergärten gerne wahrnehmen. Der Berg-Berndt-Preis 2016 wurde vor der Show des Jugendensembles übergeben.


Berg-Berndt-Preis 2015 - Architekturvermittlung im DAM

Kinder haben hundert Sprachen und "Bauen" ist eine davon, heißt es im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt. Wolkenkratzer aus Tetra Pak, Brücken aus Spaghetti, Kathedralen aus Lego: In den Workshops im DAM schlüpfen Kinder in die Rolle von Architekten und Stadtplanern. Um aber auch diejenigen zu erreichen, für die kulturelle Teilhabe nicht selbstverständlich ist, verlässt das DAM mit der Reihe "Architekturmuseum macht Schule" das eigene Haus. Über handlungsorientierte Projekte wird jungen Menschen quer durch die Schullandschaft die Tür zur Architektur geöffnet. Ob als "Archidetektive" auf Spurensuche im Stadtraum oder als Zeitreisende von der "Urhütte zum Wolkenkratzer" - immer geht es darum, die Sprache der Architektur verstehen zu lernen. Für diese engagierte Vermittlung wurde das DAM mit dem Berg-Berndt-Preis 2015 ausgezeichnet.


Berg-Berndt-Preis 2014 - Barbara Englert

Erstmals zeichnet das KKF eine Einzelperson, die Schauspielerin und Regisseurin Barbara Englert, mit dem Preis aus. Seit 2004 leitet sie "be-frankfurt", ein sich ständig neu formierendes Kollektiv. Für jedes geplante Projekt kommen hier Künstler verschiedener Sparten zusammen. Ein besonderes Augenmerk der Regisseurin liegt auf Jungkünstlern, welche sie in Jugendhäusern und mit Unterstützung von Streetworkern findet. Sie will junge Menschen am Rande der Gesellschaft erreichen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in Kulturprojekte einzubringen und daran zu wachsen. So inszenierte Barbara Englert 2013 mit großem Erfolg Georg Büchners Erzählung "LENZ" in der 'jugend-kultur-kirche sankt peter' in Frankfurt.


Berg-Berndt-Preis 2013 - Laterna Musica (ehemals Ohrwurm-Projekt)

Der Berg-Berndt-Preis 2013 ging an „Laterna Musica“. Gegründet 2002 als „Ohrwurm-Projekt“ geht es Laterna Musica vor allem darum, Kinder für klassische Musik und Kultur zu begeistern. Um Kinder aller gesellschaftlichen Schichten gleichermaßen zu erreichen, finden die Projekte in Kooperation mit Grundschulen während der Unterrichtszeiten statt. Hierfür werden Unterrichtsmaterialien erstellt und Lehrer vom Laterna Musica-Team fortgebildet. Die anschließenden Konzerte krönen die Arbeit. Sie stellen eine besondere Form des Kinder-Musiktheaters dar und werden von professionellen Musikern gestaltet.


Berg-Berndt-Preis 2012 - Bibelhaus Erlebnis Museum

Die Bibel als kulturellen Schatz begreifbar und wieder bekannter zu machen, ist das Ziel des Museums. Durch die Neugestaltung der Dauerausstellung 2011 mit archäologischen Objekten des Staates Israel aus der Zeitenwende sind hochwertige Inszenierungen mit vielen Mitmachelementen hinzugekommen. Die didaktische Maxime lautet „selbst entdeckendes Lernen“, wodurch junge Menschen in die Welt der Bibel eintauchen, Multimedia inklusive. Hier wird die Welt der Nomaden des Alten Testaments lebendig und das Leben zur Zeit des Neuen Testamens anschaulich gemacht: Alltag, Kultur, Religion, Wirtschaft und Politik.


Berg-Berndt-Preis 2011 - Mal Seh'n Kino

Mit seinem Kinderfilmprogramm FILMHITS für KINOKIDS leistet das Haus einen wertvollen Beitrag zur filmästhetischen Erziehung und zur Förderung der Medienkompetenz junger Menschen. Seit 25 Jahren schon zeigt das Kino Kinderfilme. Das Programm wird in Absprache mit der "Hessischen Initiative Kinderfilm im Kino" erarbeitet. Es umfasst nur Produktionen, die von der Filmbewertungsstelle mit einem Prädikat ausgezeichnet wurden. Berücksichtigt werden besonders Klassiker des Kinderfilms. Die Laudatio bei der Preisvergabe hielt die ZDF-Redakteurin und Professorin für Drehbuch/Dramaturgie an der HFF "Konrad Wolf" Dagmar Ungureit.


Berg-Berndt-Preis 2010 - Schauspiel Frankfurt

Mit großem Engagement und Erfolg realisierte der Intendant des Schauspiels, Oliver Reese, in seiner ersten Saison ein städtisches Theaterprojekt, in dem er gezielt ein junges Publikum an klassische wie moderne Texte der Theaterliteratur herangeführte. Mit vier Produktionen - "Roter Ritter Parzival", "Peterchens Mondfahrt", "Die kleine Hexe" und "Bleib mein schlagendes Herz" - setzte er Zeichen, die neben dem KKF, auch Wolfgang Schneider, Vorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, in seiner Laudatio zur Preisvergabe würdigte.


Berg-Berndt-Preis 2009 - Atelier Goldstein

Das "ATELIER GOLDSTEIN" der Lebenshilfe e.V. Frankfurt am Main setzt sich für die Vermittung von Kultur an Kinder und Jugendliche in einer außergewöhnlichen Weise ein. Durch das künstlerische Zusammenarbeiten von behinderten und nichtbehinderten jungen Menschen wird hier ein gemeinsamer Weg der Entfaltung von Kreativität und des Erlernen von künstlerischen Techniken und Ausdrucksformen ermöglicht.